7/18/2007

What if this had been the last day of your life?


Strömender Regen - über 90%ige Luftfeuchtigkeit...der Morgen beginnt schon scheiße. Ich muss zur Arbeit, habe aber keine Lust. Draußen sieht es aus wie Weltuntergang. Es liegt was in der Luft. This day's gonna be strange.

18Uhr - ich verlasse das Gebäude, in dem ich seit fast sieben Wochen arbeite. Ich will nach Hause. Ich will schlafen - mehr nicht. Ich muss zur Grand Central Station, mit dem Shuttletrain zum Times Square und dann mit der 1 nach Harlem...
Zwei Stunden später steige ich aus dem Bus aus. Wie in Trance gehe ich nach Hause - in mein Zimmer - breche zusammen und muss weinen. Die Bahn ist heute nicht gefahren.

Ein Dampfrohr aus dem Jahre 1924 ist schuld. Die Infrastruktur Manhattans ist aus dem Jahr, indem meine Oma geboren wurde. Stille! Die Autos stehen. Viel zu viele Menschen auf der Straße. Es stimmt was nicht, schießt es mir durch den Kopf. Das dumpfe Motorgeräusch eines Hubschraubers ist zu hören - von ganz weit her, dringt es zu mir durch - kaum merklich.
"Haltet die Welt, sie soll stehen..."

Langsam klären sich meine Gedanken. Die Sinne werden aufmerksamer. Polizeisirenen und Feuerwehralarm. Kein Mensch sagt etwas. Ich schaue nach links und sehe einen Pulk Menschen auf mich zukommen, sie bewegen sich nicht schnell - sie laufen. Es sind hunderte von Menschen. Sie laufen auch nicht -nein sie rennen - weg, weg vor dem Rauch, der sich bedrohlich vor uns aufbaut. Sie rennen zur Ostseite - zum Wasser, da wo der Himmel klar ist. Ich renne mit. Was ist los? Kein Mensch kann es mir sagen. Ich drehe mich um - schaue zum Himmel. Der Rauch ist nicht schwarz, er ist grau ... dennoch schießen mir sofort die Bilder des 11. September 2001 in den Kopf. Was, wenn es wieder soweit wäre? Ich habe Angst, denn ich stehe direkt unter dem Chrysler Building. Was, wenn ein Flugzeug kommt und hineinstürzt? Ich ziehe meinen Kopf ein und renne - einen Block, zwei oder auch mehr. Einfach nur weg von hier, zum Wasser. Ich renne Hannah in die Arme. Sie wohnt auch in meinem Haus. Sie kommt gerade von der Arbeit und ist auf dem Weg zur Grand Central Station - dem Hauptbahnhof. Sie ist ein Engel und das mit 19. Beruhigt mich, denn sie hat es schon miterlebt - damals 2001. Sie nimmt mich mit in ihr Bürogebäude. Wir googlen, können aber keine Informationen finden - außer, dass ein Gebäude eingestürzt ist. Ich muss zur Toilette - beginne zu zittern, nein mein Körper ist erschüttert. Ich kann mich wieder beruhigen. Wir erfahren, dass eine Dampfleitung explodiert ist, dass es kein Anschlag war und dass auch kein Gebäude eingestürzt ist. Ich bin froh, denn das hätte geheißen, dass ich nach Hause fahren muss. Denn das Pall Mall Programm sieht vor, bei jeder bestehenden Gefahr das Programm sofort abzubrechen. Ich will nicht zurück zur 42. Straße, denn da sind die vielen Menschen, die Polizei und die Feuerwehr. Die Züge fahren sicher auch nicht. Ich nehme den Bus 101 und fahre durch die Stadt, vorbei an der Lexington Ave. Schaue aber nicht hin. Ich will nur weg von hier. Der Bus braucht lange. Die Fahrt erlebe ich wie in Trance. Die Leute telefonieren und reden über das Gesehene. Ich will das nicht hören und muss mich gleichzeitig zusammenreißen. Ich habe das noch nie erlebt, kein New Yorker muss das wissen. Ich will nicht weinen. Zu Hause angekommen, bricht es doch aus mir heraus. Auf der Fahrt hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Mein Leben ist an mir vorbeigezogen, ich musste an meine Freunde, meine Familie denken. Was wäre wenn? Ich habe auf der Arbeit die Steuererklärung gemacht. Nicht gerade spannend. Das wäre es also gewesen? Die anderen Pall Maller hatten davon schon beim Abendessen gehört. Sie haben es nicht erlebt: Die besorgten Gesichter Hunderter, laufend, sich umdrehend und ihre Geischter zum Himmel streckend. Die fragenden Gesichter. Die Ungewissheit - Minuten, die zu Stunden werden und auch wurden. Die Angst hat mich gelähmt, auch wenn es "nur" ein unterirdisches Dampfrohr war. Ich lese gerade, dass es einen Toten gab. Was, wenn er auch nur die Steuern gemacht hat? Zwanzig Menschen sind verletzt. Meine Bahn fährt wahrscheinlich morgen nicht. Das Leben geht dennoch weiter. Ganz normal, als wäre nichts geschehen.

Jetzt bin ich müde und muss schlafen.

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